BANDSCHEIBENVORFALL

DEFINITION

Bei einem Bandscheibenvorfall (= Bandscheibenprolaps) durchbricht der Gallertkern der Bandscheibe den äußeren Faserring und dringt bsp. in die Zwischenwirbellöcher oder - was seltener vorkommt - in den Wirbelkanal, in dem das Rückenmark liegt, ein. Der ausgetretene Teil des Gallertkerns bleibt mit seinem verbleibenden inneren Teil verbunden. Von einem Sequester spricht man, wenn die prolabierten (=vorgefallenen) Anteile des Gallertkerns keine Verbindung mehr zur Bandscheibe haben. Als eine Vorstufe des Bandscheibenvorfalls ist die Bandscheibenvorwölbung oder Protrusion anzusehen. Hierbei bleibt der äußere Faserring intakt, jedoch gibt er an seiner schwächsten Stelle dem Druck des Gallertkerns nach und wölbt sich nach außen. Auch diese Vorwölbung kann schon zu Beschwerden führen. Die eigentlichen Schmerzen rühren dann daher, dass die vorgefallenen Anteile des Gallertkerns mehr oder weniger stark auf Nervenwurzeln drücken.

BEHANDLUNG

Sowohl konservative Behandlung (Physiotherapie - Chiropraktik - Streckgeräte) als auch die seltenere Beseitigung des auf die Nervenwurzel drückenden Bandscheibenteils mittels einer Operation können zum Erfolg im Sinne der Entlastung der Nervenwurzel führen. Auch sogenannte minimal-invasive Eingriffe und mikrochirurgische Verfahren, wie die Perkutane Laser-Diskus-Dekompression (PLDD), gehören in diesem Zusammenhang genannt. Noch seltener erfolgt eine Versteifung benachbarter Wirbelkörper durch eingebrachtes Metallmaterial (SpondylodeseIn den meisten Fällen (ca. 90 %) führt eine konservative Behandlung mit Schonung und schmerzstillenden Medikamenten zum Erfolg. Wärme in Form von Packungen oder Bädern wird zumeist als angenehm empfunden. Im Verlauf sind Physiotherapie und schonende sportliche Betätigung zum Muskelaufbau notwendig beziehungsweise sinnvoll. Kommt es im Verlauf von etwa sechs Wochen zu keiner entscheidenden Besserung der Beschwerden, sollte ein Neurochirurg oder ein in der Bandscheibenchirurgie versierter Orthopäde konsultiert werden.Ob operative Maßnahmen im Einzelfall erforderlich sind, ist umstritten: es gibt Einschätzungen, wonach über 80 Prozent der Bandscheibenoperationen überflüssig sind und vermieden werden könnten. Hier wird allgemein die "strenge Indikationsstellung" für sinnvoll gehalten. Schwere neurologische Schäden, im EMG nachgewiesene Lähmungen, das sogenannte Cauda-equina-Syndrom erfordern eine möglichst rasche Bandscheibenoperation, auch Nukleotomie genannt. Schmerzbehandlung auf operativem Weg ist meistens frustrierend.Alleine in Deutschland werden jährlich etwa 30.000 Operationen an Bandscheiben vorgenommen. Auch weltweit ist die Bandscheibenoperation der häufigste neurochirurgische Eingriff. Falls keine Lähmungen vorliegen, gibt es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsresultaten dieses Eingriffs und dem konservativen (nicht-operativen) Vorgehen, wie etwa Akupunktur, Medikamente oder Physiotherapie. Dies ist das Ergebnis der weltweit größten klinischen Studie mit 1.244 Bandscheibenpatienten (Spine Patient Outcome Research (SPORT)). Nach wie vor gibt es aber in bestimmten Fällen zwingende Gründe für eine Operation.

Grundsätzliches Behandlungsziel ist, dass auch die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls korrigiert werden: Fehlhaltungen, Überbelastungen, Schwäche der Rumpfmuskulatur (man redet hier vom muskulären Korsett) usw. Viele Krankenhäuser und manche private Einrichtungen bieten sogenannte Rückenschulen an, um die Belastung der Wirbelsäule im Alltag zu minimieren (richtiges Heben, Entlastungsstellungen, Muskelkräftigung).